Werke von Peter Janssen dem Älteren (1844 - 1908)
Bildbeschreibung zu den Wandgemälden in der Kemenate von Schloß Burg a.d. Wupper
Der heilige Georg und die gefesselte Jungfrau
Quelle
: Dr. Dietrich Bieber, Peter Janssen als Historienmaler (Teil 2)
Rudolf Habelt Verlag GmbH - Bonn 1979
 


 

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In gegenüber der Engelsgestalt wesentlich kleinerem Maßstab sind links des Fenstereinschnitts der Drachenkampf des hl. Georg und rechts die ihrer Erlösung harrende Jungfrau dargestellt. 

In der schmalen Tabernakelrahmung mußte der Künstler auf sehr eingeengtem Bildfeld für den Drachenkampf eine Lösung finden. So hat er die Szene tiefenmäßig gestaffelt, indem er vorne den Drachen, dahinter Georg mit seinem Pferd anordnete. Das echsenartige Ungeheuer liegt im Vordergrund nach rechts hinter einer in der unteren Bildecke stumpfwinklig in das Gemälde geführten Felsplatte. Schon geschwächt von dem Kampf, in dem er unterliegt, hat sich der Drache auf die Seite gewälzt. Sein Kopf mit dem kleinen bösen Auge und dem zähnebewehrten, weit geöffneten, feuerspeienden Maul, aus dem die gespaltene Zunge hervorkommt, ist schräg nach links gegen Georg aufgerichtet. Während einer der wie bei Fledermäusen gegliederten Flügel des Drachen links vom Bildrand überschnitten wird, stößt sein mit Hornzacken besetzter Schwanz vorne geringelt auf die Felsplatte. Die rechte Vorderklaue des Drachen wird hinter seinem Kopf sichtbar, links, etwas hinter dem Flügel, sieht man die abgebrochene Lanze, die Georg dem Tier in den Leib gestoßen hat. Die linke Hinterklaue des Drachens ist in Abwehr gegen den Unterschenkel des Ritters gerichtet. 

In ganzer Breite des Bildfeldes wird Georg auf seinem Pferd hinter dem Drachen sichtbar. Das Roß, dessen linkes Vorderbein vom Bildrand überschnitten ist, erhebt sich auf den Hinterbeinen. Man sieht nur seinen Vorderkörper mit dem Kopf und dem rechten Bein ganz. Während das Tier mit anscheinend wieherndem Maul und seitwärts gerolltem Auge in die Höhe geht, hat Georg hinter dem Pferdenacken und seinem mit der Linken vorgehaltenen Schild Schutz gefunden. Vorgebeugten Körpers und sich in den Hüften einwinkelnd, holt der Heilige mit kräftigem Schwung der rechten Hand aus, um im nächsten Augenblick das Schwert auf den Drachen niedergehen zu lassen. Georg ist in voller Rüstung. Er trägt ein Kettenhemd, das am rechten Arm und dem Bein sichtbar wird, der Leib ist zusätzlich mit einer Brünne geschützt. Über den Kopf hat der Heilige eine Beckenhaube gestülpt, aus der eben das Gesicht hervorsieht. Ein heller Mantel weht seitlich links um die Hüften des Reiters, dahinter erkennt man noch etwas den gesträubten Schweif des Pferdes. 

Als Ergänzung zum Drachenkampf erscheint auf der entgegengesetzten Seite das Bild der ihrer Erlösung harrenden Jungfrau. Sie steht in einem langen hemdartigen Gewand barfuß auf einem nach rechts leicht ansteigenden Gelände, des hinter ihrem Rücken in eine steile Felswand übergeht. An diese ist die Jungfrau mit einer Kette um den Hals angeschmiedet. In Dreiviertelstellung gegeben, hat die Gestalt das linke Bein leicht vorgesetzt, über dem das Gewand wie in einem Windstoß nach links hin flattert. Das Mädchen hat offenes hüftlanges Haar, das seine Gestalt am Rücken und seitlich umgibt. Der Kopf der Gefesselten ist erhoben, die abgewinkelten Arme sind es ebenso. Die Hände sind wie in großer Verwunderung geöffnet. Links am Boden liegen ein Totenschädel und das Gerippe eines Brustkorbes, rechts Knochenteile, Hinweise auf die bisher dem Drachen geopferten Menschen. 

Der erhobene, vom Leuchten der Augen begleitete Blick der Jungfrau zeigt, daß sie ihre Errettung dem Himmel dankt. Deshalb wohl ist dieser Blick auf den Erzengel Michael gerichtet, der so in seiner Wächterfunktion über den Zinnen als Vermittler von "Gottes Schutz" erscheint. Auf diese Weise wird der oben erscheinende Sinnspruch durch die unten sich vollziehende Rettung bildlich kommentiert. Von diesem Verständnis aus läßt sich auch die Übergröße des hl. Michael gegenüber den Figuren unten erklären. Er ist der Gott vertretende, groß über den Menschen stehende Wächter. 

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